Geschichte

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Oldisleben und Sachsenburg im Überblick

… Oldisleben liegt am Fuße der Hainleite. In unmittelbarer Nähe fließt die Unstrut vorüber. Vom Ortsausgang bis zum Ortsteil Sachsenburg erstreckt sich die land­schaftlich schöne Thüringer Pforte. Durch Oldisleben führt die von Weimar kommende Fernverkehrsstraße 85.
Der unterschiedlichen Höhenlage nach gliedert sich unser Ort in Unter- und Oberdorf. Das Unterdorf ist der ältere Teil, der Siedlungskern. Geologisch gehört Oldisleben zum Thüringer Becken. Es ist ein muldenförmiges Gebiet, welches sich zwischen dem Thüringer Wald und dem Harz ausdehnt. Bemerkenswert ist der Reichtum an Naturschönheiten und geschichtlichen Bege­benheiten in und um Oldisleben.
Seit 1974 ist der Nachbarort Sachsenburg verwaltungsmäßig zu Oldisleben eingemeindet. Beide Orte gehörten zum Gemeindeverband „Thüringer Pforte"- jetzt zur Verwaltungsgemeinschaft „An der Schmücke“.

Besiedlung und Ortsgründung

Bodenfunde beweisen, dass unser Heimatort innerhalb eines alten Siedlungs­gebietes liegt. Die günstige Lage an der Thüringer Pforte und an der schon in ältester Zeit durch den Pass führenden Handelsstraße, aber auch die Unstrut als Nahrungsquelle, dürften für eine frühzeitige und verhältnismäßig dichte Be­siedlung ausschlaggebend gewesen sein.

Dr. Dietrich Mania, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Landesmuseum für Vor­geschichte in Halle, äußert sich wie folgt: „Gegensätzlich zur vorneolithischen Zeit, in der nur gelegentlich Jägerhorden im Thüringer Raum auftauchten, setzte im Frühneolithikum gegen Ende des 5. Jahrtausend. v.u.Z. eine Besiedlung mehr oder weniger seßhafter Gruppen ein, die sich bis in die Bronzezeit hinein er­streckte . . . Das Gebiet der „Porta Thüringica" war ständig in Besiedlung dieser neolithischen Gruppen einbezogen". 1) Erläuterung: Neolithikum = Jungsteinzeit, 4 500 - 1 800 v.u.Z. Bandkeramische und schnurkeramische Funde sind um Oldisleben besonders häufig. Aus der Vielzahl der Bodenfunde sollen an dieser Stelle die Hügel­gräber im Hagen genannt werden, die bereits 1870/72 ausgegraben wurden. Bei Bauarbeiten im Ort kam 1948 ein Hockergrab mit Beigaben zum Vorschein. Ebenfalls bei Erdarbeiten auf dem Gelände der LPG wurden 1956 zwei Hocker­gräber, eine Herdstelle und bronzene Randleistenbeile freigelegt.

Weiterhin sind Funde aus der frühen Eisenzeit, der römischen Kaiserzeit und aus der Zeit der Völkerwanderung bekannt.
Alle diese archäologischen Funde bezeugen, daß Oldisleben und die nähere Umgebung von der Jungsteinzeit bis zum Beginn der Ortsgründungen in den ersten Jahrhunderten n. d. Z. ständig besiedelt waren.
Mit der Zerschlagung des Thüringer Reiches im Jahre 531, aber auch in Verbin­dung mit der Völkerwanderung entstanden die ersten festen Wohnplätze. Diese Ortsgründungen fanden im 7., 8. und 9. Jahrhundert und auch noch später ihre Fortsetzung. Aus dieser Zeit stammen die ersten schriftlichen Überlieferungen. Leider keine, die Oldisleben betreffen.

Bei der Erforschung des Alters der Orte sind die Endungen der Ortsnamen von besonderer Bedeutung, da sie eine genauere Einordnung in eine bestimmte Periode zulassen.
Nach Professor Schlüter, Halle, der sich mit der Siedlungsgeschichte im mittel­deutschen Raum ausführlich beschäftigte, gehört Oldisleben zur 2. Siedlungs­periode, die ungefähr von 300 bis 531 n. d. Z. reichte. Er schreibt: „Die Endung -leben war ursprünglich in Schleswig, Jütland, Dänemark und Teilen von Skandi­navien heimisch und wurde von ihren Trägern - den Warnen oder Angeln - nach Süden gebracht. Beide Volkselemente zeigten eine besondere Vorliebe für den fruchtbarsten und ebensten Boden, letzteres vielleicht, weil sie aus dem Tiefland kamen. Die Wanderung des Volkes mit der Endung -leben dehnte sich bis an den Thüringer Wald aus und fand hier im wesentlichen ihr Ende".)

Die Endung -leben, in alter Form -leba, -leve, -leiba, -leipa bedeutet Erbe, Be­sitz, Hinterlassenschaft oder Bleibe und ist oft mit Personennamen verbunden. Wie schon erwähnt, gibt es aus dieser Zeit keine schriftlichen Überlieferungen, die unseran Ort betreffen.

Obwohl verschiedene Schreibweisen aus vergangenen Jahrhunderten bekannt sind, ist die Entstehung des Namens Oldisleben bisher nicht geklärt. Falsch ist, daß der Name von einer Gräfin Adelheid abgeleitet sein soll und Oldisleben ursprünglich „Adelheidsleben" hieß. Keine der alten Schreibweisen hat auch nur eine annähernde Ähnlichkeit, wie die folgenden Beispiele beweisen:
1101 Adesleven, 1124 Aldesleve, 1147 Oldesleiben, 1227 Oldisleibe, 1299 Oldis­leben, 1322 Oldeusleben, 1364 Oldesleben, 1442 Oldisleuben.
Die ältesten bekannten Namen von Einwohnern unseres Ortes stammen aus dem 12. und 13. Jahrhundert.

1180: Sigfrid von Oldisleben - Zeuge in einer Urkunde Dietrichs, Graf von Werben
1185: Bruno von Oldisleben - Zeuge in einer Urkunde Bernhards, Herzog von Sachsen
1245: Heinrich von Oldisleben - Zeuge in einer Urkunde des Grafen Friedrich von Beichlingen

(Dr. Otto Schlüter: „Die Siedelungen im nordöstlichen Thüringen" - Berlin 1903)

 

Nachfolgend können Sie eine ausführlichere Chronik von Oldisleben als PDF herunterladen. Die Chronik entstammt der Feder des ehemaligen Ortschronisten Herrn Alfred Odebrecht und wurde zur 900 Jahrfeier unserer Gemeinde als Broschüre herausgegeben.

Sie soll in digitalisierter Form den historischen Abriss der Entwicklung in Oldisleben bis zum Jahr 1989 aufzeigen!